| Februar |
Chaos-Tage-Video "Kampf
der Welten" erscheint
In kleiner Auflage erscheint
ein aus Spielfilmen, Nachrichten
und anderen Fernsehsendungen
am heimischen Videorecorder
zusammengeschnittener Film,
der aber schon bald massenhaft
immer wieder weiterkopiert
wird. Das Video wird DER Partyknüller.
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| Frühjahr |
Flugblatt-Welle
überschwemmt die Punk-Szene
Nach den Ereignissen des
Vorjahres erwartet man in der
Punk-Szene für die '95er-Chaos-Tage
wohl die sofortige Internierung.
Deshalb heißt das Motto
diesmal: "Ab ins Lager!".
Unmengen verschiedener Flugbklätter
kommen in Umlauf, worunter eines
besonders hervorsticht: Es hat
die gleiche Aufmachung wie das
Fun-Flugblatt vom Vorjahr, ruft
aber zu genau den Brutalitäten
auf, die den Punks im Vorjahr
unterstellt worden waren. Und
versucht sich gar in Steigerungen
- So wird für "Freitag,
16.00 Uhr" der Programmpunkt
"Vergewaltigung von Polizistinnen"
vermerkt. Dann aber auch der
Hinweis: "Dieses Flugblatt
ist eine Fälschung! Aber
genau so ein Flugblatt haben
uns die Pressewixer im letzten
Jahr unterstellt, aber NIE vorzeigen
können!" |
| 7.
April |
Die
Presse nimmt das als Fake gekennzeichnete
Flugblatt ernst
In der hannoverschen "Neuen
Presse" erscheint ein Artikel,
in dem es heißt: "Im
August wollen Punks Hannover
in Schutt und Asche legen".
Es wird aus dem Fake-Flugblatt
zitiert - aber ohne auf den
Satire-Charakter hinzuweisen. |
| Mai |
Im
Internet erscheinen die ersten
Aufrufe: Chaos-Tage weltweit!
Zum ersten Mal wird das
Internet für die Verbreitung
von Chaos-Tage-Flyern genutzt:
Kettenbriefe werden abgetippt,
übersetzt und in die verschiedenen
Newsgroups gesetzt. Schon bald
gibt's Antwort aus San Francisco:
Hier will man nun am gleichen
Wochenende wie in Hannover Chaos-Tage
abhalten! |
| 29./30.
Juli |
Die ersten Punks sind
da!
Um zu verhindern, gar nicht
erst in die Stadt hineingelassen
zu werden, kommen bereits
am Wochenende vor den Chaos-Tagen
rund 150 Punks nach Hannover.
Gleichzeitig beginnt eine
"Lager-Gang" via
Internet mit der Verbreitung
von täglichen Infos zum
Thema.
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| 1.
August |
Die
Medien bereiten den Boden
Ab Dienstag wird nun fast täglich
in allen hannoverschen Tageszeritungen
über die Chaos-Tage berichtet.
Dabei gibt man sich zunächst
einmal halbwegs moderat. |
| 2.
August |
Die
Polizei demonstriert Stärke
Obwohl von den täglich
neben dem Bahnhof lagernden
rund 200 Punks keine Agressivität
ausgeht, fährt die Polizei
ab Mittwoch mit großen
Bussen vor, führt ständige
Kontrollen durch und transportiert
Verdächtige und Minderjährige
ab. Die Stimmung bleibt aber
friedlich. |
| 3.
August |
Die
Situation eskaliert
Am frühen Nachmittag vertreibt
die Polizei ohne erkennbaren
Anlaß die Punks aus der
City. Neuankömmlinge werden
auch sofort der Innenstadt verwiesen.
Der einzige Ort, wo Punks noch
geduldet werden, ist die Schaufelder
Straße in der Nordstadt,
direkt beim ehemals besetzten
Sprengelgelände. Als die
Polizei auch dort beginnt, willkürlich
Punks festzunehmen, explodiert
die Situation: Steine fliegen,
es werden Barrikaden gebaut
und angezündet. Die Polizei
muß sich unter einem Steinhagel
zurückziehen. |
| 4.
August |
Chaos-Tage
1995/Freitag: Nicht nur Punks
stellen sich gegen die Polizei
An diesem ersten "offiziellen
Chaos-Tag" strömen
massenhaft Punks nach Hannover.
Währenddessen bereitet
man sich in der Nordstadt auf
neue Angriffe der Polizei vor
und baut wieder Barrikaden.
Die ersten Angriffe der Polizei
werden erfolgreich zurückgeschlafen,
dann aber werden Schaufelder
Straße und auch das Sprengelgelände
in einem harten Einsatz geräumt.
Danach versucht die Polizei
einen Sturm der Häuser
in der Heisenstr., wo sich ebenfalls
Punks aufhalten. Die Polizei
muß sich aber in den engen
Straßen unter einem Steinbombardment
zurückziehen.
Im Laufe der Nacht kommt es
aber zu einer nochmaligen Eskalation:
Angelockt durch die Berichte
von anhaltenden Krawallen reisen
auch Hooligans und Autonome
nach. Zusätzlich legt sich
die Polizei ohne Not mit türkischen
Jugendlichen an, so daß
die Polizei nun mit fast 3000
Gegnern fertig werden muß.
Eine Aufgabe, die nicht gelingt:
Die Polizei erleidet Schlappe
auf Schlappe und wird fast vollständig
aus der Nordstadt vertrieben.
Ein Penny-Markt wird spät
in der Nacht geplündert.
Die Polizei ist machtlos. |
| 5.
August |
Chaos-Tage
1995/Samstag: Die Einkesselung
des Fährmannsfestes mißlingt
Der Morgen beginnt relativ ruhig,
und das Geschehen verlagert
sich auch dieses Jahr zum "Fährmannsfest".
Dort findet auch ein spontaner
Auftritt der US-Punkband "Total
Chaos" statt.
Gegen 19:00 eskaliert die Situation
wieder: Betrunkene haben ein
Auto angezündet, und es
gibt neue Auseinandersetzungen
mit der Polizei. Für die
Punks wieder mal ein Glücksfall:
Starke Polizeikräfte sind
nämlich gerade dabei, das
Konzertgelände hermetisch
abzuriegeln und so die Punks
über Nacht am Verlassen
zu hindern - ganz nach dem Vorbild
von 1984.
So gelingt es den Punks aber,
im allgemeinen Chaos, noch vor
dem Schießen den Kessels
das Gelände zu verlassen.
Die meisten wandern aber nicht
wieder in die Nordstadt, sondern
feiern eine lange Party im angrenzenden
Park.
In der Nordstadt dagegen sind
in der Nacht in erster Linie
Hooligans, türkische und
andere Jugendliche aus Hannover
aktiv. Wieder kommt es zu Straßenschlachten,
bei denen die Polizei oft völlig
überfordert ist. |
| 6.
August |
Chaos-Tage
1995/Sonntag: Die Ruhe nach
dem Sturm
Mal abgesehen von einzelnen
kleineren Scharmützeln,
kehrt langsam Ruhe in der Nordstadt
ein. Die Punks ziehen ab. |
| 7.
August |
Riesiges
Medienecho weltweit
Schon am Wochenende waren die
Medien mehr und mehr heißgelaufen,
aber nun sind Zeitungen und
TV voll mit Berichten über
die Chaos-Tage. Gleichzeitig
wächst der Druck auf die
niedersächsische Landesregierung
unter Gerhard Schröder.
Man wirft Ihr eine angebliche
"Deeskaliationsstrategie"
vor. |
| 15.
August |
"Chaos-Tage in Oldenburg"
werden von den Medien gepusht
Verschiedene Zeitungen berichten
gleichlautend von einem neuen
angeblich in Oldenburg geplanten
Punk-Treffen. In den nächsten
Tagen steigert sich dieses
zur Hysterie, und die Polizei
schickt vorsorglich 1500 Beamte
nach Oldenburg.
Per Internet wird von Punk-Seiten
zur "Aktion Tarnkappe"
aufgerufen - man will angeblich
im Sakka und mit geputzten
Schuhen nach Oldenburg reisen...
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| 17.
August |
Nazis
wollen in Hannover demonstrieren
Die "Jugen Nationaldemokraten",
die Jugendorganisation der NPD,
meldet zum Todestag von Rudolf
Heß eine Demonstration
in Hannover an unter dem Motto
"Wenn Chaos tobt in deutschem
Land, braucht Deutschland eine
starke Hand". Die Demonstration
wird verboten. |
| 19.
August |
Polizei
und Medien lassen sich in Oldenburg
erfolgreich hochnehmen
Nachdem die Polizei Oldenburg
in eine Festung verwandelt hat,
warten nun Hundete von Reportern
auf die bunten Brutalos. Dummerweise
tauchen nur einige wenige Gestalten
auf, die auch noch fürs
Bierdosenwerfen von Journalisten
bezahlt werden müssen.
Ein echter Lacher!
Die Polizei aber feiert dies
als Erfolg ihrer "Abschreckung" |
| 25.
August |
Hannovers
Polizeipräsident tritt
zurück
Der durch die Chaos-Tage schwer
unter Druck geratene hannovesche
Polizeipräsident Sander
tritt zurück und betont,
"so etwas" dürfe
es nicht wieder geben. |
| 4.
Sept. |
Neuer
Polizeipräsident heißt
Klosa
Sanders Nachfolger wird Hans-Dieter
Klosa, ein Mann vom "harten
Schlag"... |
| 8.-11.Okt. |
Stürmung
und Abriß der "Chaos-Zentrale"
Polizeipräsident Klosa
setzt ein Zeichen für "beherztes
Durchgreifen": Im Morgengrauen
werden Häuser in der Heisenstraße
von der Polizei gestürmt
und somit die Schlappe vom August
wettgemacht.Geründet wird
dies mit angeblichen "Schüssen
auf Handwerker" und "Hinweisen",
das Hause sei im August die
"Chaos-Zentrale" gewesen. |
| 25.
Okt. |
Gericht:
Polizeimaßnahmen rechtswidrig
Das Amtsgericht Hannover bestätigt,
daß die Festnahmen von
über 500 Punks während
der Chaos-Tage rechtswidrig
waren. |
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