| Mir ist natürlich
klar, daß sich mancheiner fragt,
was der Macher dieser Website nun
eigentlich konkret bezwecken will.
Ist er ein Internet-Revoluzzer, der
auf diese Weise den großen Umsturz
vorantreiben will? Einer, der noch
offene Rechnungen mit Staat und Polizei
hat? Ein durchgeknallter Sprachwissenschaftler?
Ein Cyber-Terrorist? Ein gelangweilter
Feierabendpunk?
Die Wahrheit liegt für alle,
die mich kennen, auf der Hand: Es
geht um Geld, und zwar um möglichst
viel Geld. Immerhin werde ich in
diesem Jahr 40, und da muß
man sich schon mal ein paar Gedanken
über die Alterssicherung machen.
Denn auf die Dauer wäre es
doch zu naiv, einzig auf die monatliche
Sofortrente von 12.000 Mark durch
einen GlückSpirale-Hauptgewinn
zu hoffen.
Was aber liegt näher, als
die Chaos-Tage, die seit nunmehr
18 Jahren ganz eng mit meiner Person
verknüpft sind, kräftig
zu versilbern? Denn die Zeiten,
in denen ich mit bunten Haaren und
Nietenjacke die Bürger verschreckt
habe, sind seit rund 13 Jahren vorbei.
Mittlerweile verdiene ich meine
Kohle mit dem Aufbau von Internet-Websites,
wobei ich immer noch voller Interesse
alles rund um das Thema Chaos-Tage
verfolge. Das ist nun mal mein Hobby
- und wenn es einen Chaos-Tage Experten
gibt, dann bin ich das.
Und gibt's was Schöneres,
als das Hobby zum Beruf zu machen?
Ganze Heerscharen von Musikern,
Comic-Fans und Fanzine-Schreibern
träumen davon, und ich denke,
daß es jetzt endlich mal an
der Zeit für mich ist, diesen
Traum zu verwirklichen.
Außerdem ist es mal an der
Zeit, daß sich alle Beteiligten,
also Punks wie Polizisten, Medien
wie Jugendforscher, Politiker wie
Linguisten, besser auf die Chaos-Tage
vorbereiten können.
Denn zu lernen gibt's 'ne Menge:
Für die Punks, wie man ungesehen
in die Stadt reinkommt; für
die Polizei, wie man es mit 1 Million
Liter Freibier schafft, die Gegner
erfolgreich zu bestechen. Und die
Medien haben endlich mal die Chance
zu gründlicher und wahrheitsgetreuer
Recherche.
Also: Die Chaos-Tage-Website gibt
ein eindrucksvolles Zeugnis davon
ab, daß ich in der Lage bin
- kontinuierlich über 18
Jahre hinweg einen Begriff wie
"Chaos-Tage" zu einem
weithin bekannten und akzeptierten
Markennamen aufzubauen
- konzeptionell, logistisch, gestalterisch,
textlich und programmiertechnisch
eine große und vielbesuchte
Website hochzuziehen
- politische, kulturelle oder
sonstige gesellschaftliche Probleme
hinsichtlich Schwachstellen, möglicher
Entwicklung, Marketingchancen
und erfolgreicher Lösung
genaustens zu analysieren
Diese Website ist also nichts weiter
als eine zeitgemäße Bewerbung
für einen Job bei einem Unternehmen
mit modernem Management, dem es
völlig egal ist, daß
ich an einem so suspekten Thema
wie Chaos-Tagen meine Befähigung
nachweise. Frei nach Deng-Hsiao-Ping:
"Es ist egal, ob eine Katze
schwarz oder weiß ist - Hauptsache,
sie fängt Mäuse!"
Alle Firmen mit Bedarf an interessanten
Web-Konzeptionen oder Ideen zur
Verarschung der Jugend, alle Parteien,
die ständig Berater mit Sinn
für erfolgreiche Propagandastrategien
suchen, alle Medien, die im kommenden
Sommer einen Chaos-Tage-Experten
benötigen - sie alle sind herzlich
eingeladen, sich an mich zu wenden.
Ich helfe gern - gegen ordentliches
Honorar, versteht sich...
Damit ich endlich auch mal dort
sitzen darf, wo ich früher
die Steine reingeworfen habe.
Joschka, ich verstehe Dich...
-Karl Nagel -
P.S.: Alles weitere auf meiner
Website www.karlnagel.de
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